Das Desaster für die Milchbauern

oder: warum geben Milchviehbetriebe ihre Produktion auf und steigen gänzlich aus der Landwirtschaft aus?

Viele Betriebe steigen seit einiger Zeit aus der Milchproduktion aus. 1970 waren es noch über 750.000 Betriebe mit Milchkuhhaltung. Seit 2021 sind es weniger als 55.000. Massentierhaltung wird damit gefördert. Insbesondere die Betriebe mit 200 bis 500 Kühen zeigen noch einen Zuwachs.

Natürlich liegt die abnehmende Anzahl der Betriebe zum Beispiel daran, dass kein Nachfolger gefunden werden kann. Zunehmend jedoch, sind es ganz andere Gründe.

Die hohe Arbeitsbelastung ist enorm. Familienbetriebe versuchen die Arbeitsspitzen innerhalb der Familie zu kompensieren. Da sind die Altenteiler und auch die Kinder voll mit eingespannt. Was aber wenn der Betriebsleiter selbst mal ausfällt? Damit steht der Betrieb unmittelbar vor dem wirtschaftlichen Abgrund!

Durch die technisch-mechanische und die digitale Weiterentwicklung in der Landwirtschaft ist die Effizienz, aber auch der Kapitalbedarf sprunghaft angestiegen. Das bedeutet aber aber auch, dass sich dies kleine Betriebe schlicht nicht leisten können.

In keinem anderen EU-Land sind die Standards für Tierwohl, Grundwasserschutz und Umwelt so hoch wie in Deutschland. Noch mehr Auflagen und Verbote bei der Bestellung der Felder, wie z.B. vorgeschriebene Fruchtfolge, Verbot von Dauergrünlandumbruch, Abstände zu Gewässern und Knicks. Mit anderen Worten, die gute fachliche Praxis des Landwirtes wird schlichtweg ausgehebelt. Und damit werden den Betrieben immer höhere Kosten zugemutet.

Ich erinnere: die Knicks in unserer Landschaft haben die 3. und 4. Generation vor uns angelegt um die damals noch karge, mit Heidekraut bewachsene Fläche auf der Geest zu umzäunen und vor Erosionen zu schützen. Mit Pferd und Wagen wurde Kalkmergel aus den unteren Bodenschichten auf die Felder gebracht um den Boden fruchtbarer zu machen. Das war schwerste körperliche Arbeit. Die Knicks sind über Generationen gepflegt und gehegt worden. Alle 7 Jahre wird der Knick auf den Stock gesetzt und jährlich seitlich gestutzt. Wie gesagt seit Generationen. Heute kommen GRÜNE Politiker daher, die noch nie selber eine Mistforke in der Hand hatten und wollen den Bauern erzählen wie sie Landschaftspflege zu betreiben hätten.

Und das ist dabei heraus gekommen:

Überbürokratisierung
Dokumentationspflicht
Unangemeldete staatliche Kontrollen
CC (CrossCompliance) Auflagen: Das bedeutet, wenn man in einer Disziplin nicht regelkonform gearbeitet hat, wird man an anderer Stelle bzw. in allen anderen Disziplinen mit Sanktionen bestraft.

Ein mit entscheidender Grund für das Schwinden der Milchbetriebe sind die Erlöse für Milch, die bei weitem die Vollkosten nicht decken. 45 ct/ l Milch Vollkosten gegenüber 35 ct / l Milch Erlös. Vor ein paar Jahren waren wir bei einem Milchpreis von 22 ct/l Milch . Da konnte man dann Liquiditätsdarlehen (zinsvergünstigt) beantragen. Die haben sich teilweise bis heute nicht refinanziert. Daran kranken viele Betriebe immer noch.

Und wem das noch nicht reicht: von Medien und einigen Politikern werden die Bauern systematisch als Subventionsempfänger, Umweltverpester, Insektenvernichter etc. diffamiert.

Und dann die Politik, die nur die Großen fördert: Die Niedrigzinspolitik führt dazu, dass Investoren in Ackerland investieren. Sogar ganze Produktionseinheiten werden aufgekauft. In diesem Bereich ist z.B. ALDI aktiv. So haben sich die Bodenpreise vervielfacht. In den neuen Bundesländern kostet im Durchschnitt ein Hektar Land ca. 18.000,– Euro, im Westen mehr als das Doppelte, fast 40.000,— Euro.

Da wirst Du irgendwann mürbe und gibst auf

Über die Weissagung, die man den Cree-Indianern zuschreibt, sollte jeder nachgedacht haben. Und nicht nur das: ändere Dein Einkaufsverhalten!

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Autoren: DRW / IRO