Kleine Geschichten zur Kartoffel

Mein ostpreußischer Großvater hat mir folgende Anekdote von Friedrich dem Großen (er regierte von1740-1786) erzählt:

Friedrich der Große wollte die Kartoffel, die aus der „Neuen Welt“ nach Europa kam, auch in Preussen heimisch machen. Dazu hat er die Bauern anweisen lassen, wie Kartoffeln anzubauen sind. Aber schon nach kurzer Zeit hatte fast kein Bauer mehr Kartoffeln angebaut. Der Grund war ganz einfach: die Bauern hatten die Früchte der Kartoffeln gegessen. Aufgrund des schwachgiftigen Solanins sind diese jedoch für den Verzehr ungeeignet.

Nach dieser Erfahrung waren die preussisch starrköpfigen Bauern nicht so einfach umzustimmen. Also griff der „Alte Fritz“ (wie der Spitzname von Friedrich dem Großen war) zu einer List: er liess die königlichen Kartoffelfelder von seiner Leibwache, den „Langen Kerls“ Tag und Nacht bewachen. So erkannten die Bauern, dass an der Kartoffel etwas Besonderes dran muss und dass man die Knolle isst und nicht die Früchte!

Keine Ahnung ob die Geschichte wahr ist… aber sie hat mir als Kind besonders gut gefallen.

Vor über 100 Jahren lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 285 kg pro Jahr pro Person. Man rechne schnell mal nach: das sind mehr als ein Dreiviertel Kilo Kartoffeln pro Tag! Und das im Durchschnitt… also vom Baby bis zu Oma und Opa! Und wir können davon ausgehen, dass die Kartoffel-verarbeitende Industrie nur geringe Bedeutung hatte.

Heute verbrauchen wir pro Kopf und pro Jahr nur noch rund 55 kg Kartoffeln. Und die Hälfte davon wird industriell verarbeitet zu Fertigprodukten, Chips, Pommes und andere Kartoffelprodukte. Im Durchschnitt haben wir also nur noch 75 gr Kartoffeln pro Tag auf unserem Speisezettel.

Vor 100 Jahren musste eine vierköpfige Familie rund eine Tonne Kartoffeln lagern und bevorraten. Damals hatte man noch einen tiefen Kartoffelkeller, der ideale Bedingungen für die Kartoffel schuf: es herrschte eine konstante Temperatur zwischen 5° C und 10° C. Kälter darf es nicht sein, sonst wird die Kartoffelstärke zu Zucker abgebaut und die Kartoffel wird süß.

Wichtig auch, dass alles ganz dunkel ist. Denn unter Licht bilden Kartoffeln grüne Stellen, die Solanin (s.o.) enthalten. Also: diese bitte weg schneiden!

Die dritte Voraussetzung für eine erfolgreiche Kartoffelbevorratung ist eine ausreichende Belüftung. Daher wurden die Kartoffeln in Kisten gelagert, damit auch von unten genügend Luft den Kartoffelvorrat durchströmen konnte. Eine Aufbewahrung in Kunststofffolien ist also keine gute Idee.

Und schließlich darf auch kein Obst in der Nähe der Kartoffeln lagern, weil dadurch diese schneller verderben.

Noch ein ganz wichtiger Tip: Vor der Einlagerung alle Kartoffeln, die nicht einwandfrei und unverletzt sind, aussortieren!

Auf meinen Reisen durch die USA habe ich das kartoffelhaltige „Amerikan Breakfast“ kennen gelernt. Hier meine Version:

Ich plane je nach Hunger zwischen 200 gr bis 300 gr rohe Kartoffeln pro Person. Diese mit einer Bürste in der Schale gut schrubben. Gleichzeitig zwei Bacon-Streifen pro Person in der Pfanne in Butterschmalz auf Stufe 5 von 9 knusprig braten und anschließend auf ein Küchenpapier legen, um überschüssiges Fett zu entfernen. Die Pfanne säubern und frisches Butterschmalz auflösen. Wer hat, kann auch ein wenig Gänsefett (wegen des Geschmacks) zum Butterschmalz dazu geben… alles bitte sparsam!

Die Kartoffeln wie gewünscht klein schneiden. Ich halbiere sie der Länge nach und schneide dann kleine Würfel bzw. längliche kleine Stücke heraus. Diese werden initial auf Stufe 8 von 9 angebraten. Nach kurzer Zeit gleich runter auf 6, sonst wird alles ziemlich dunkel bis schwarz!

Sind alle Kartoffeln in der Pfanne gebe ich die Baconstreifen zerkleinert dazu als Geschmacksträger. Alles weitere 10 Minuten unter regelmäßigem Wenden anbraten.

In der Zwischenzeit Zwiebeln nicht zu klein und nicht zu grob schneiden. Auf die Kartoffeln geben, dann den Herd auf 2 stellen und Deckel auf die Pfanne. So können die Zwiebeln dünsten, ohne dass sie verbrennen beim scharfen Anbraten.

Dazu gibt es klassisch zwei Spiegeleier. Und bei mir muss der Boden der Spiegeleier knusprig sein! Guten Appetit!